Überhitzte Kabeltrommel, heiße Steckdose, Brand: Wo riskieren Sie zu Hause zu viel?
Tipps & AnleitungenProbleme mit der Elektrik entstehen längst nicht nur im Sicherungskasten. Oft beginnen sie direkt an der Steckdose oder am Verlängerungskabel, an das Sie ein Heizgerät, leistungsstarkes Werkzeug oder Gartengeräte anschließen. Schon ein paar ungünstige Gewohnheiten können dazu führen, dass Kontakte überhitzen und die Isolierung beschädigt wird, ohne dass der Leitungsschutzschalter rechtzeitig auslöst. Erfahren Sie, wo Sie zu Hause möglicherweise unnötige Risiken eingehen.
Kabeltrommeln immer vollständig abrollen
Sie kaufen eine Kabeltrommel mit 50 Metern Kabel, stellen sie einen Meter neben die Steckdose und schließen ein leistungsstarkes Werkzeug oder ein Heizgerät an. Fließt Strom durch einen Leiter, entsteht Wärme. Bei einem aufgewickelten Kabel kann sie deutlich schlechter entweichen. Die inneren Kabellagen können sich deshalb gefährlich erhitzen und die Isolierung nach und nach beschädigen.
Auf dem Typenschild der Kabeltrommel stehen meist unterschiedliche Höchstwerte für die Belastung im abgerollten und aufgewickelten Zustand. Während eine vollständig abgerollte Trommel eine Anschlussleistung von über 3.000 W vertragen kann, ist bei aufgewickeltem Kabel unter Umständen weniger als die Hälfte erlaubt. Prüfen Sie deshalb vor dem Einsatz immer die Herstellerangaben. Rollen Sie das Kabel vollständig ab, wenn Sie Geräte mit hoher Leistungsaufnahme anschließen – auch wenn Sie nur wenige Meter benötigen. Für kurze Strecken ist ein passendes, kürzeres Verlängerungskabel praktischer.
Reiseadapter sind keine Mehrfachsteckdosen
In sozialen Medien kursiert regelmäßig dieser Reisetipp: einen Reiseadapter einpacken und eine Mehrfachsteckdosenleiste von zu Hause daran anschließen, damit die ganze Familie ihre Geräte laden kann. Dabei kann jedoch schnell die maximale Belastbarkeit des Adapters überschritten werden. Auch seine Kontakte und die Wandsteckdose werden beansprucht.
Entscheidend sind die gesamte Leistungsaufnahme der angeschlossenen Geräte, die zulässige Stromstärke des Adapters, die Art der Erdung und die Netzspannung im Reiseland. Das größte Risiko geht von Geräten mit hoher Leistungsaufnahme aus, etwa Reiseföhns, Bügeleisen oder Wasserkochern. Außerdem passt ein Reiseadapter lediglich die Steckerform an – er wandelt die Netzspannung nicht um. Prüfen Sie daher immer die Angaben auf Adapter und Gerät. Maßgeblich ist der niedrigste zulässige Belastungswert aller Teile der Verbindung. Eine sicherere Wahl sind mehrere einzelne Adapter oder ein hochwertiges Reiseladegerät mit mehreren USB-Anschlüssen.
Verlängerungskabel nicht hintereinanderstecken
Drei Verlängerungskabel hintereinanderzustecken und am Ende eine leistungsstarke Pumpe anzuschließen, ist ein unnötiges Risiko. Der gesamte Strom fließt durch das erste Kabel und jede weitere Steckverbindung. Kontakte können sich mit der Zeit lockern oder verschmutzen. Dadurch steigt ihr Übergangswiderstand, und die betroffene Stelle kann überhitzen. Lange Kabelstrecken und ein ungeeigneter Leiterquerschnitt verursachen außerdem einen Spannungsabfall.
Statt eine Strecke von 20 Metern mit mehreren kurzen Verlängerungskabeln zu überbrücken, verwenden Sie ein einziges ausreichend langes Kabel mit passendem Leiterquerschnitt und geeigneter Strombelastbarkeit. Für Werkstatt, Baustelle oder Arbeiten im Freien wählen Sie eine Ausführung für anspruchsvollere Einsatzbedingungen. Gummikabel bleiben besser flexibel und widerstehen mechanischer Beanspruchung, Feuchtigkeit und widrigem Wetter. Doch auch ein solches Kabel darf nicht von Maschinen überrollt werden. Scharfe Kanten und herabfallendes Werkzeug können es ebenfalls beschädigen.
Alte Aluminiumleitungen gehören in Fachhände
In älteren Häusern finden sich mitunter noch Elektroinstallationen mit Aluminiumleitern. Aluminium kann sich an den Verbindungsstellen im Laufe der Zeit verformen, außerdem oxidiert seine Oberfläche. Dadurch kann sich der Kontakt lockern und unter Last erwärmen. Warnzeichen sind eine warme Steckdose, vergilbter oder angeschmolzener Kunststoff, Brandgeruch, Knistern oder Brummen.
Verwenden Sie eine solche Steckdose ab sofort nicht mehr. Schalten Sie den betroffenen Stromkreis ab, sofern das gefahrlos möglich ist, und rufen Sie eine qualifizierte Elektrofachkraft. Nehmen Sie die Steckdosenabdeckung nicht selbst ab und versuchen Sie nicht, die Anschlussklemmen nachzuziehen. Auch der einfache Austausch gegen ein Modell mit schraubenlosen Klemmen reicht nicht aus: Sowohl die Steckdose als auch die Anschlussart müssen ausdrücklich für Aluminiumleiter geeignet sein.
Verlängerungskabel für drinnen gehören nicht in den Garten
Ob ein Verlängerungskabel für einen bestimmten Einsatz geeignet ist, hängt von seiner Bauart und dem vorgesehenen Verwendungszweck ab – nicht von seiner Farbe. Ein gewöhnliches Kabel für Innenräume ist weder für Regen und Tau noch für dauerhafte Sonneneinstrahlung ausgelegt. Feuchtigkeit kann in Steckdosen und Verbindungen eindringen. Eine ungeeignete Isolierung kann im Freien mit der Zeit ihre schützenden Eigenschaften verlieren.
Verwenden Sie für Arbeiten im Freien ausschließlich Kabel für den Außenbereich mit mindestens Schutzart IP44. Diese Kennzeichnung steht für Schutz gegen Spritzwasser, nicht für vollständige Wasserdichtheit. Lassen Sie Steckverbindungen deshalb nicht im nassen Gras oder in Pfützen liegen. Halten Sie sie möglichst trocken und schützen Sie sie vor mechanischen Schäden. Elektrische Geräte im Außenbereich müssen außerdem durch einen Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD) abgesichert sein.
Die wichtigsten Begriffe kurz erklärt
Leitungsschutzschalter
Eine Schutzeinrichtung, die bei Überlastung oder Kurzschluss den Stromkreis automatisch abschaltet. Sie schützt vor allem die Leitungen vor zu hohem Strom und Überhitzung. Bei einer örtlichen Erwärmung durch einen lockeren Kontakt löst sie jedoch möglicherweise nicht rechtzeitig aus.
Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD)
Dieses Gerät vergleicht den Strom, der zum Verbraucher hinfließt, mit dem zurückfließenden Strom. Erkennt es einen Fehlerstrom, etwa durch eine beschädigte Isolierung oder über den menschlichen Körper, schaltet es den Stromkreis sehr schnell ab. Es ergänzt den Leitungsschutzschalter und verringert das Risiko eines Stromschlags erheblich, besonders in feuchter Umgebung und im Freien.
IP-Schutzart
Sie gibt an, wie gut ein elektrisches Gerät gegen das Eindringen fester Fremdkörper und Wasser geschützt ist. Die erste Ziffer beschreibt den Schutz vor Berührung gefährlicher Teile und vor festen Fremdkörpern, die zweite den Schutz vor Wasser. IP44 steht beispielsweise für Schutz gegen Fremdkörper größer als 1 mm und gegen Spritzwasser, nicht für vollständige Wasserdichtheit.
Leiterquerschnitt
Die Querschnittsfläche des leitenden Materials, angegeben in mm². Sie beeinflusst, wie viel Strom sicher durch ein Kabel fließen kann, ohne dass es sich übermäßig erwärmt, und wie groß der Spannungsabfall ausfällt. Für längere Kabel oder Geräte mit höherer Leistungsaufnahme ist in der Regel ein größerer Querschnitt nötig.
Maximale Belastbarkeit des Kabels
Die höchste Stromstärke oder Anschlussleistung, die ein Kabel unter festgelegten Bedingungen sicher übertragen kann. Sie wird in Ampere oder Watt angegeben und hängt unter anderem von Leiterquerschnitt, Länge, Bauart und Einsatzweise ab. Bei Kabeltrommeln unterscheidet sich die zulässige Belastung je nachdem, ob das Kabel abgerollt oder aufgewickelt ist.
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